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Johannes Georg Neuber kam am 28. Mai 1892 als Sohn eines Schneidermeisters in Burkersdorf zur Welt und wurde am 10. Juli dort getauft. Von 1898 bis 1906 besuchte er die Volksschule und wurde am 6. April 1906 konfirmiert. Über seine berufliche Laufbahn gibt es keine gesicherten Quellen. Er muss sich aber auf Wanderschaft bis in die Schweiz befunden haben und dort seine Leidenschaft zum Skisport entdeckt haben. Als Erzgebirgsjunge konnte er sich ja schon frühzeitig auf Ski bewegen. Eine andere Liebe, die zu einem jungen Mädchen, endete für ihn tragisch. Sie hatte den wortkargen Jungen verlassen und sich einem Anderen zugewandt. Für Hans war das eine bittere Enttäuschung, die sein ganzes Leben beeinflussen sollte. Nie wieder hat er sich um eine Frau bemüht, seine Konsequenz in allen Dingen ließ kein anderes Handeln zu. 1914 musste er wie Millionen andere junge Männer in Europa seinen Kriegsdienst antreten. Der 1. Weltkrieg forderte Kanonenfutter. Er diente bis 1916 als Sächsischer Reservejäger und danach bis 1918 im Alpenkorps der Bayrischen Armee - immer in vorderster Front (u.a. in Verdun).
1920 wurde der Frauensteiner Skiclub gegründet , mit Hans als Skilehrer.
1924 wurde die "Johannes-Georg-Neuber-Schanze"(LINK) eingeweiht und nach ihrem Erbauer benannt.
Bei all seinen bemerkenswerten Leistungen, die viele Leute in der Frauensteiner Gegend und besonders sein Sportfreunde achteten und anerkannten, blieb er ein Sonderling. Er sprach kaum mit jemand und er musste schon besonderes Vertrauen gefasst haben, ehe er einen Menschen näher an sich heran liess.
Seine Art zu Leben veranlasste in der Zeit des Nationalsozialismus die Herrschenden, ihr menschenfeindliches Euthanasieprogrann an ihm anzuwenden. Er wurde als Mensch eingestuft, der ein menschenunwürdiges Dasein führt und 1935 für mehrere Monate in die Psychatrie "Sonnenstein" in Pirna gebracht wurde. Das schloß ihn endgültig aus dieser Gesellschaft aus. Auf Betreiben des Frauensteiner Bürgermeisters Paul Stöß kam er wieder frei. Doch auch dieser schlimmste Schicksalsschlag hielt ihn nicht davon ab, seine unermüdliche Arbeit fortzuführen.
Er baute seine nächste Schanze im Gimmlitztal, die "Grünschönberg" (LINK). Am 24.11.1937 fand das erste Springen statt.
Anlauf mit 18 Meter Höhenunterschied. Nach 25 bis 40 Metern war die Neigung des Aufsprunghanges zwischen 30° und 32°. Den Schanzenrekord hielt der Nassauer Rudi Löbl mit 43 Metern.
Hans lebte mit seinen unverheirateten Schwester Liesel (Elisabeth) unter einem Dach in der Freiberger Straße 7 in Frauenstein. Sie betrieb einen kleinen Gemischtwarenladen, der auch beide hätte ernähren können. Hans ließ sich aber nicht als Mitarbeiter anstellen. Morgens verließ er seine Stube, würdigte Liesel keines Blickes und kam spät am Abend oder erst nach Tagen wieder heim. Gut zu verstehen, das sein Verhalten nicht zu Harmonie zwischen den Geschwistern beitrug. Es kam soweit, dass sie nicht mehr miteinander sprachen. Geld verdiente Hans nicht, Hilfe im Geschäft leistete er auch nicht und so dachte Liesel, soll er sehen, wo er sein Essen herbekommt. Er verhungerte jedoch nicht, sein Leben verlief nach dem Grundsatz: "Sie säen nicht, sie ernten nicht..." Er lebte von seinen Fotos und Bildern, die ihm abgekauft wurden. Vom Bäckermeister Max Schwalbe in Reichenau und Besitzern der umliegenden Mühlen bekam er regelmäßig Brot oder eine Mahlzeit. Bei seinem Freund Helfried Märker bevorzugte er einen Topf Kakao. Erich Dienel aus Reichenau reparierte sein Fahrrad, gab mal eine Zigarre aus, wenn er sich eine Sportsendung im "Wunderkasten (Fernsehgerät) ansehen konnte. Sein Sohn Alexander (Alex) trat in die sportlichen Spuren und wurde ein guter und vielseitiger Sportler. Auch den Hausfrauen war er dankbar: "Das läuft wie Öl die Speiseröhre hinter". Über die sportlichen Leistungen der jungen Ehemänner soll er gesagt haben: " Wenn die Männer verheiratet sind, tochen (taugen) se beim Skispringen nischt mehr". Er sprang auch im hohen Alter noch selbst und hatte mit 70 noch volles dunkles Haar.
Nach dem 2. Weltkrieg zog sich Hans von den Aktivitäten in Frauenstein zurück, er begann u.a. zu malen.
Er hielt aber weiterhin an seiner Lebensaufgabe "Schanzen" fest und begann 1949 in der Hartmannsdorfer Schweiz ein Projekt "Schanze der Zukunft". Er schwang sich am frühen Morgen in Frauenstein auf sein Fahrrad und radelte an seine Baustelle. Wenn er die Zeit vergaß, nächtigte er in der Hütte am Schanzentisch.
Essen war bei ihm Nebensache.
Am Borsberg entstanden 4 Schanzen, die altersgerecht und leistungsorientiert genutzt werden konnten.
10, 20, 60 und 100 Meter sollten erreicht werden. 1953 wurde die "Flugschanze" (LINK) am Borberg bei Röthenbach eröffnet und bis in die 1960er Jahre genutzt. Danach war oft kein Schnee vorhanden und der Betrieb wurde eingestellt, Frauenstein und Grünschönberg waren damals noch schneesicher.

Da Hans nie gesteuert hatte, bekam er 1957 von der DDR auch keine Altersrente, seine soziale Stellung gerit in Armut - anders als heute, da es eine Mindestrente gibt, auch für Leute, die es nie mit Arbeit versucht haben. So begann 1967 eine Schwächung an seinenKräften zu zehren. Er verstarb unbemerkt am 21. Januar 1968 in Frauenstein. Nachdem in seinem Zimmer zwei Tagelang das Licht nicht ausging und er auch nicht das Haus verließ, verständigten die Nachbarn die Polizei. So fand das Leben eines unermüdlichen Sonderlings sein Ende: Einsam und allein, wie in den Jahren und Wäldern an seinen Baustellen!

Den wesentlicher Teil der Angaben zum Schanzenbaumeister wurden von Giesela Müller zusammengetragen - ehemalige Leiterin des G.-S-.Museums.